Der Acquamarin – Die Küste der Südmarche
Palmen, Sand, Meer… und ganz viel Geschichte, das ist wohl die kürzeste Beschreibung unserer Küsten
Die Südmarche und deren kilometerlange Sandstrände liegen keineswegs in der Anonymität und Unberührtheit wie unser Hinterland.
Sei dem 19. Jahrhundert haben sich entlang unseres Küstenstreifens Badeorte entwickelt, die allen Annehmlichkeiten für unbeschwertes Badevergnügen gerecht werden. Die wichtigsten davon sind San Benedetto del Tronto, Grottammare, Cupramarittima, Porto S. Elpidio und Porto San Giorgio, der ursprüngliche Hafen von Fermo. Feinster Sand vor der bezaubernden Hügellandschaft, die nach der Küste sanft ansteigt. Die Gegend an der Küste hat viele Badegäste aus „gutem Haus“ schon Mitte des 19. Jahrhunderts angezogen, die hier ihre Sommersitze bauten. So kommt es, dass herrliche Villen entstanden, die diesen für damalige Zeiten exklusiven Orten absolut gerecht wurden. Zu den schönsten gehören die Villa Clarice, die Villa Caterina oder die Villa Cellini, um nur einige zu nennen. Einige von ihnen sind immer noch im Besitz der Familien und auch von diesen bewohnt, andere wiederum werden als stilvolle Restaurants genutzt.
San Benedetto d. Tr. Bezaubert jedes Jahr seine Besucher mit einer von ca. 20.000 Palmen gesäumten Uferpromenade. Bis nach Grottammare reiht sich Palme an Palme auf ca. 8 km Länge. Durchsetzt von Oleanderbäumen und einem Meer von Blumen oder anderen blühenden Sträuchern bietet der Lungomare einen beeindruckenden Anblick. Was kann auch schöner sein als abends entlang des sanft rauschenden Meeres einen kleinen Spaziergang zu unternehmen? Wer an der Molo Sud den Kai entlang bummelt kommt zum Monument, das die Tradition S. Benedettos versinnbildlicht, die der Seefahrer und Fischer. Es wird das „Monument der Möwen“ genannt, angelehnt an die Geschichte der Möwe Jonathan von Livingstone. Der dargestellte Kreis, besetzt von Möwen, zeigt den immerwährenden Kreislauf des Abschiednehmens und der Rückkehr, den Aufbruch in Richtung Horizont, aber nicht immer sind alle Seefahrer wieder zu ihren Familien zurück gekehrt.
San Benedetto
Wie die anderen erwähnten Orte entstand auch San Benedetto nicht in der Neuzeit. Allen gemeinsam ist eine Jahrtausend alte Geschichte. So wurde S. Benedetto bereits in Schriften aus dem Jahr 998 erwähnt. Allerdings lagen die Stadtkerne damals nicht direkt am Meer, sondern etwas oberhalb in den Hügeln, wie in Grottammare oder Cupramarittima besonders deutlich wird. Dies ist leicht erklärbar. Direkt an der Küste waren die Bewohner stets den Gefahren ausgesetzt, von Sarazenen oder anderen barbarischen Seefahrern angegriffen zu werden. Mit etwas weiter oben angelegten Orten hatte man zumindest einen besseren Blick über das Meer und konnte die Bedrohung eher erkennen. Im Lauf der Zeit jedoch schienen diese Ansiedlungen nicht mehr sicher genug und die meisten Bewohner zogen es vor, sich völlig vom Meer in Orte wie Ripatransone oder Acquaviva zurück zu ziehen, die von Stadtmauern umgeben weitaus mehr Schutz gewährten. Dazu kam die Malaria, die am Meer weit verbreitet war und der man am besten durch „Rückzug“ entgehen konnte. Nichts desto trotz jedoch war bis in die jüngste Vergangenheit S. Benedetto ein wichtiger Fischereihafen und verfügte über eine Flotte von 60 Schiffen. Heute wird in erster Linie Fisch konserviert und verarbeitet. Es bietet aber noch immer einen sehr romantischen Anblick, wenn man in klaren Nächten von einem höher gelegenen Punkt in den Hügeln auf das vom Mond silbern beschienene Meer hinab sieht und die kleinen Fischerboote wie winzige beleuchtete Punkte erkennbar sind.
Von San Benedetto in seiner ehemaligen Form ist leider nur noch der alte Uhrturm übrig geblieben, während im „paese alto“ von Cupramarittima, dem über dem heutigen Ort gelegenen antiken Teil, noch viele Zeugen aus der Vergangenheit sichtbar sind. Teile der alten Ringmauer mit mächtigen Warttürmen aus dem 15. Jahrhundert und das Castello di Marano repräsentieren das alte Cupra. Dessen Geschichte begann jedoch nicht erst zu dieser Zeit, denn seinen Ursprung hatte es schon etwa 700 Jahre v. Chr. In der Antike war der Ort der Göttin Cupra geweiht.
Grottammare
Grottammare braucht sich hinsichtlich langer Geschichte ebenfalls nicht zu verstecken. Viele Bauten aus dem 15. und 16. Jahrhundert legen davon Zeugnis ab, darunter eine Burg, die sogar noch älter ist und das Stadtbild beherrscht. Nicht minder stolz können die Bewohner auf einen großen „Sohn der Stadt“ sein, denn der spätere Papst Sixtus V. wurde hier geboren. Tauchen wir noch tiefer in die Geschichte ein, so entdecken wir, dass auch die Römer schon hier vertreten waren. Eine Grabinschrift in der Kirche San Martino bezeugt den von Kaiser Hadrian gegebenen Auftrag zur Restaurierung des Tempels der Göttin Cupra! Nahe dieser Kirche stößt der Besucher sogar auf eine römische Zisterne, die den Namen „Bad der Königin“ trägt.
Für Meereskunde-Interessierte halten die Küstenorte noch Besonderheiten bereit. Zum einen das Muschelmuseum mit einer der größten Sammlungen überhaupt bei Cupramarittima und das Museo della Civiltà Marinara in San Benedetto, in dem Fundstücke aus dem Meer gezeigt werden, deren älteste Stücke fast 3000 Jahre alt sind. Interessant ist der Hintergrund der Entstehung dieses Museums. Ein Gynäkologe der Stadt, Giovanni Perotti, dessen Patientinnen durchweg Frauen von Fischern waren, erhielt für seine Assistenz bei Geburten als Geschenk von fast jedem Fischer eine alte Amphora. Es sind diese Stücke, die nun im Museum zu bewundern sind.